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4.9.2010 : 18:34 : +0200

Carl-Humann-Gymnasium

Die Geschichte des Carl-Humann-Gymnasiums

Planung ab 1901, Fertigstellung und Einweihung am 17. Mai 1904

Der Vikar Leo Hertiger gründete, soweit uns heute bekannt ist, um das Jahr 1700 eine Latein-schule. Im Jahre 1854 ging aus der Lateinschule eine Rektoratsschule (Unterricht von Sexta bis Obertertia) und 1898 das Pro-Gymnasium hervor. Nachdem die ersten 8 Abiturienten die Schule verließen, wurde sie Voll-Gymnasium.

Mit dem Ausbau zum Vollgymnasium im Jahre 1904 und mit der Berechtigung zur Durchführung der Abiturprüfung bezog die seit 1854 bestehende Steeler Rektoratsschule das neue Gebäude am Laurentiusweg. Der damalige Bürgermeister Schulz und der Schulleiter, Geheimrat Wirtz, hatten Neubaupläne vorbereitet, nachdem das bisherige Gebäude am Grendplatz, die Rektoratsschule, für ein neunjähriges Gymnasium zu klein geworden war und ein Ausbau teurer gekommen wäre als der Neubau auf dem damals noch freien Feld.

1901 schrieb die Stadt Steele einen Wettbewerb unter den Mitgliedern des Architektenvereins in Köln aus. Den ersten Preis erhielt der Architekt Otto Müller aus Köln. Mit dem Bau wurde 1902 begonnen, und am 17. Mai 1904 konnte das neue Gebäude bezogen werden. Das Bauwerk ist im Stil der "deutschen Renaissance" konzipiert, wie sie um die Jahrhundertwende geschätzt wurde. Es handelt sich um einen auf polygonalem Grundriss angelegten verputzten dreigeschossigen Massivbau in historischer Formensprache. Der vorspringende Eingangstrakt am Laurentiusweg, der wie der Sockel bruchsteinsichtig ist, wird durch einen geschweiften Giebel abgeschlossen und weist eine reiche und repräsentative Fassadengliederung auf, zum Beispiel bei der Portalrahmung mit gekuppelten Vollsäulen und Dreiecksgiebel. Bezeichnend ist der geschossweise Wechsel zwischen rund- und kielbogigen sowie rechteckigen Fensteröffnungen mit noch originalen Fenstern im Erdgeschoß zum Laurentiusweg hin. Dazu kommt die Akzentuierung durch Turmausbildungen innerhalb der Dachlandschaft.

Im Inneren fallen die säulengestützte Kreuzgratwölbung der Treppenhalle mit Treppe und Geländer, die Fußbodenbeläge, Innentüren und mehrflügeligen Türanlagen am Hauptportal als wesentliche Gestaltungselemente auf.

Vom ehemaligen Gesamtkomplex sind der Flügel mit der Direktorenwohnung und die Turnhalle nicht mehr erhalten. Sie wurden in den sechziger Jahren abgerissen, und das Gelände zum Ausbau der Schule genutzt.

Über dem Eingangsportal stehen die zeitgenössischen Widmungsworte

"MUSIS PATRIAE DEO"

(Den Musen, dem Vaterland und Gott). In seiner Ansprache zur Einweihung des Gebäudes, am 17. Mai 1904, ging der Schulleiter Geheimrat Wirtz auf die Worte ein:
"Den Musen ist unser Dienst geweiht... Die Jugend also der Segnungen einer solchen auf Geist und Körper sich erstreckenden, die Natur des ganzen Menschen erhöhenden Bildung teilhaftig zu machen, das ist die hehre Aufgabe der Erziehung, die hier fortan ihre Pflegestätte finden soll... Erziehen wir die Jugend nach diesen dargelegten Grundsätzen, wer wollte dann bestreiten, dass wir dem Vaterland mit unserem Wirken im wahrsten Sinne des Wortes dienen... Wir dürfen die Erziehung für die himmlische Heimat nimmer vergessen. Unsere Zöglinge sollen mit einer klaren festgegründeten religiösen Überzeugung, mit wahrer Gottesfurcht und Gottesliebe durchdrungen werden..."
Das war für 1904 programmatisch!

Unter den Widmungsworten steht seit 1935 der neue Name der Schule: "Karl-Humann-Gymnasium." In einem Festakt, am 22. Juni 1935 wurde die Büste Humanns auf der Ehrentafel der Stadt Steele im Eingangsportal der Schule aufgestellt. Die Schule hat sich seitdem um die Pflege der Erinnerung ihres Namenspatrons, des Wiederentdeckers des antiken Pergamons bemüht. Carl Humann wurde am 4. Januar 1839 in Steele geboren. Sein Elternhaus stand am Nordende des Kaiser-Otto-Platzes und wurde 1929 abgebrochen. Als Ingenieur entdeckte er in Bergama (Westtürkei) die Ruinen des Pergamon-Altars und begann mit den Ausgrabungen. Das imposante Werk ist heute im Pergamon-Museum in Berlin ausgestellt. Carl Humann starb am 12. April 1896.
 
Weiterhin ist das Wappen der Schule aus dem Jahre 1894 mit der Inschrift

INITIUM SAPIENTIAE TIMOR DOMINI

zu erwähnen, das heute bei den Abiturfeiern gezeigt wird und von den katholischen Schülern bei der traditionellen Fronleichnamsprozession mitgeführt wird.

 Quelle: Archiv des Carl-Humann-Gymnasiums

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